Zeichnet sich gegenwärtig eine Trendwende in der Erinnerungskultur der Bundesrepublik ab? Wie definiert die Berliner Republik ihre Erinnerungspolitik? Welche Konzepte verfolgt sie? Hat die Erinnerung an die NS-Vergangenheit heute noch eine besondere Bedeutung und wenn ja, welche kann und soll das sein?
Der vorliegende Band geht diesen Fragen nach und nimmt vor allem die geschichtspolitischen Debatten und die mediale und kulturelle Be- und Verarbeitung der Vergangenheit in den Blick.
Mit der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ gelang es der deutschen Wirtschaft und dem deutschen Staat die in den USA von ehemaligen Zwangs- und SklavenarbeiterInnen angestrengten Sammelklagen abzuwenden. Die Verhandlungen sind abgeschlossen, die Überlebenden mit einem Almosen abgespeist. Es scheint, die deutsche Rechnung sei aufgegangen und die deutsche Schuldabwehr geglückt. Im Zentrum dieses Buches stehen die Überlebenden, ihre Erinnerungen und Erfahrungen mit der deutschen Nicht-Entschädigungspraxis. Es leistet eine Kritik der deutschen Gesellschaft über die Geschichte der Erinnerungs- und Entschädigungsverweigerung, die Analyse der Verhandlungsführung und die Verfestigung antisemitischer Stereotype in der deutschen Öffentlichkeit. Vor diesem Hintergrund wird die Kontinuität deutscher Geschichte aufgezeigt.
Nachdem die Schuld nun vorgeblich beglichen ist, agiert Deutschland in neuem nationalem Selbstbewusstsein und in neuer Aggressivität auch international als Hüterin über völkisch gewendete Menschenrechte und Humanität.
Es gibt Bücher, die Neuland erschließen, die einem den Blick auf bisher Unbekanntes eröffnen. Und es gibt Bücher, die bieten einen abschließenden Überblick und ermöglichen somit eine Bewertung. RechtsRock gehört sicherlich zu der zweiten Kategorie.
Enough is enough Nr. 18
Die AutorInnen stellen die Frage, ob Wissen und Kenntnisse »historischer Tatsachen« im Zentrum der historisch-politischen Arbeit stehen sollen oder der Blick auf die Bedingungen der Wissens- und Tatsachenproduktion. Erinnerungskulturen spiegeln gesellschaftliche Verhältnisse, Auseinandersetzungen und Problemlagen wider. Hierzu gehören geschlechtsspezifische Perspektiven, die Frage nach der Teilhabe von MigrantInnen und nicht zuletzt die Debatte um den Ansatz einer Pädagogik der Menschenrechte.