Cover in groß "Zwischen den Fronten"
Sükrü Gülmüs

Zwischen den Fronten

unrast roman 15

Übersetzung Aus dem Türkischen von Karen Steinle

ISBN-10: 3-89771-644-5
ISBN-13: 978-3897716445
Ausstattung: br., 203 Seiten
Preis: 13.00 Euro

Der autobiographisch gefärbte Roman zeichnet einerseits gefühlvolle Bilder von den Ausgestoßenen dieser Gesellschaft und vermittelt gleichzeitig Einblicke in die Strukturen der PKK.

Mem Güldali, Journalist und ehemaliger PKK-Kämpfer, kommt in die BRD, um sich einer lebensnotwendigen Operation zu unterziehen. Statt der erhofften Genesung erwarten ihn jedoch Asylverfahren, Gefängnis und Psychatrie. Als die Partei ihn wegen eines kritischen Artikels mit einer Kontaktsperre belegt, führt er einen einsamen Kampf gegen den Tod und die Ignoranz seiner Umwelt.

Anstelle eines Vorworts
Sicherlich kann jeder Mensch von sich behaupten, seine Lebensgeschichte sei ein Roman. So ist es, die Abenteuer des Lebens sind für jeden Menschen sein eigener Roman. Weil jedoch nicht jeder Mensch in der Lage ist, sein Leben als Roman zu Papier zu bringen, brauchen wir die Schriftsteller und Künstler.
Ich kämpfe für ein freies Kurdistan, weil ich will, daß jeder Mensch die Geschichte seines eigenen Lebens schreiben kann. Er soll es hüten wie einen Talismann, und wenn er stirbt, soll anstelle eines Grabsteins ein Roman stehen, der Roman seines freien Lebens. Denn wenn der Mensch auch eintausendundein Leben hätte, so wäre trotzdem nur ein einziges sein wirklich eigenes. Jeder Mensch lebt in seiner eigenen Welt. In dieser eigenen Welt können ihm die anderen Menschen zum Himmel oder zur Hölle werden.
In diesem Sinne habe ich Glück gehabt, denn ich wählte unter meinen mehreren Leben das zweite für mich aus.
Im allgemeinen habe ich immer in den Momenten geschrieben, in denen sich mein Ringen zwischen Leben und Tod in die Länge zog. Da ich die Leser und Leserinnen nicht mit der bloßen Wiedergabe der Realität langweilen wollte, habe ich auch Phantasien und Traumsequenzen aus diesen Momenten eingestreut. Meine Seele war angespannt wie das Fell einer Trommel und beim Daraufschlagen flossen die Worte in einem unendlichen Schwall wie von alleine aus der Feder.
So ist dieses Buch entstanden. Es war in gewissem Sinne wie eine Geburt. Und die Gebärende kann man schließlich nicht fragen, warum sie dieses Kind geboren hat. Ich mußte es so stehen lassen, wie es eben war.
Mein Roman geht einerseits in die Vergangenheit zurück, weist aber andererseits auch in die Zukunft. Ich weiß, wie es gestern war und wie es heute ist. Aber wie es morgen sein wird, das weiß ich heute noch nicht.
Ich danke Karen Steinle für die Übersetzung und Claudia Schuller für die redaktionelle Bearbeitung und das Redigieren.

Sükrü Gülmüs, Essen, April 2001


Inhalt

Anstelle eines Vorworts 11

Zwischen den Fronten
Arabische Trauben 13
Bitte hinaus, meine Herrschaften! 15
Das Blut fließt und fließt und fließt 17
Er kann nur im Heidenland gesund werden 21
Ein Stück von dir ist bei mir geblieben 24
Heidenland ist soviel wert wie zehn Moslemländer 27
Uniklinikum Köln 28
Bringt mir Pizza 29
Halluzinationen 30
Der Letztgeborene: Pýtocan 33
Warte nur, wenn ich dich erwische, Cholera meines Herzens! 36
Jene Nacht 38
Ich muß jetzt gehen! 45
Kezigne-Republik 48
Ich bin verrückt, du bist verrückt 49
Der kurdische Roman 51
Menschen, verletzlich wie rohe Eier,
werden aufeinander geschlagen 59
Gib dein Ich, gib dein Ich! 60
Das ist ein Parteiauftrag 66
Die Katze beißt sich in den Schwanz 69
Überlebensgemeinschaft 72
Protein-Koma 74
Kranke Zuflucht 76
Blind und lahm 79
Das Kirchenkrankenhaus in Ürdingen 80
Bist du immer noch nicht gestorben? 83
Ein Unglück kommt selten allein 84
Alles offen 86
Du hattest Recht, mein Pir 91
Ein Kurde wurde erschossen.
Auf unserem Planeten fehlt eine Jahreszeit 93
Vampiritis 98
Ein Rassist hat zwei Deutsche niedergemacht 99
Das Verbrecher-Krankenhaus 101
Der erste Besuch 104
Halhalok 106
Gül ist hier 108
Vater, vor dir muß man wirklich Angst haben 111
Menschenlandschaften eines Knastkrankenhauses 113
Die Sanftheit Jesu und die Strenge Mohammeds 115
Das goldschluckende Ungeheuer 117
Graue Wölfe heulen überall 118
Allah ist der größte Ästhet 121
Menschen-Potpourrie 123
Wau wau 125
Carmen 128
Langenfeld 129
Kalenderblätter 130
Mems Notizen 131
Hövelhof 135
Vor Gericht 138
Das Land der Irren 140
Wenn vernünftig sein bedeutet, sich dem System anzupassen,
dann ist es besser, verrückt zu sein 143
Oh 15! 145
Gehören Sie zu den Gründungsmitgliedern der Partei? 147
Kollektive Bestrafung 149
Der Weltmeister des Lachens 151
Der südkurdische Peschmerga 153
Die beilschwingende Pero mit dem funkelnden Blick 155
Freunde sind Rosen 157
Einkerbungen 162
Verrückt!? 164
Die Liebe einer Verrückten 165
Bevor du kommst, gebe ich dir schon einmal
den ersten Kuß im Traum 168
Dann bist du gekommen, meine Morgensonne 170
Die Vergangenheit vergeht nicht 173
Ich komme raus! 174
Seit Monaten fragt niemand nach mir 177
Ein kleiner Mao 181
Ich habe nur noch fünf Jahre zu leben 182
Wenn du stirbst, bringe ich dich um 187
Vorbereitung zur Operation 189
Sterben ist so ähnlich wie schlafen 191
Halluzinationen auf der Intensivstation 192
Leberhaß und Organwut 194
Guerillakommandant Oberarzt 196
Zurechtgestutzt 198
Transjordanien 199

Anmerkungen 201






Der Autor
Þükrü Gülmüþ, geb. 1954 in Batman, Mitbegründer der PKK, 1980 verhaftet und zu sechs Mal Todesstrafe verurteilt. Nach 11 Jahren wird das Urteil durch das Berufungsgericht aufgehoben. Nach seiner Entlassung leitet Gülmüþ die prokurdische Wochenzeitung Yeni Ülke und den Verlag Zagros. Da Gülmüþ durch die lange Haft und den Hungerstreik im Gefängnis von Diyabakýr einen Leberschaden davogetragen hat, der nur durch eine Transplantation zu beheben ist, entschließt er sich 1993 zur Flucht nach Deutschland. Sein Asylantrag wird anerkannt, und die Transplantation durchgeführt. Auch in Deutschalnd ist er journalistisch tätig, vor allem für Özgür Politika, zudem veröffentlicht er auf Türkisch zwei Bücher, in denen er seine Gefängniszeit verarbeitet. Aufgrund kritischer Artikel wird er von Özgür Politika gefeuert und von der PKK massiv unter Druck gesetzt. Mittlerweile zählt er zu den bekanntesten sogenannten Dissidenten der PKK.