
Mehr als ein Jahrzehnt nach der wissenschaftlichen Etablierung einer kritischen Perspektive zu Weißsein in den USA nimmt die so entwickelte Kategorie ‚Critical Whiteness’ ihren Einzug in den hiesigen akademischen Diskurs. Der vorliegende Band fasst zum ersten Mal das wohl breiteste Spektrum der Auseinandersetzung mit dieser Kategorie in Deutschland zusammen und erschließt damit die Verlagerung des Fokus’ auf das ‚eigene’ weiße Subjekt im postkolonialen Diskurs Deutschlands einem größeren Publikum.
Für den hiesigen Kontext einzigartig geht dieser Band auf die kritische Auseinandersetzung mit der Kategorie Weißsein aus einer Schwarzen Perspektive als konzeptioneller Schwerpunkt ein und würdigt damit den enormen und durchaus nachhaltigen Einfluss Schwarzer Menschen und People of Color in Wissenschaft und Kunst, die bereits seit geraumer Zeit mit einem hegemonialkritischen Fokus im Diskurs um Ethnisierung und Rassifizierung arbeiten.
Mit seinem Fokus auf die Subjekte rassistischer Herrschaft entwirft das Buch neue kritische Perspektiven auf Debatten um Kolonialismus, Rassismus, Feminismus und Postkolonialiät. Es richtet sich an WissenschaftlerInnen verschiedener geisteswissenschaftlicher Disziplinen sowie an MultiplikatorInnen bildungspolitischer Arbeit, AktivistInnen antirassistischer Arbeit und gesellschaftspolitisch engagierte und interessierte LeserInnen.
Aus dem Inhalt Fatima El-Tayeb
Vorwort
Konzeptionelle Überlegungen
Vierstimmiger Prolog Peggy Piesche
Das Ding mit dem Subjekt, oder: Wem gehört die Kritische Weißseinsforschung?
Maureen Maisha Eggers
Ein Schwarzes Wissensarchiv
Grada Kilomba
Becoming a Subject
Susan Arndt
Weißsein. Die verkannte Strukturkategorie Europas und Deutschlands
Der weiße Fleck und das Subjekt. Schwarze Perspektiven zu Weißsein in Deutschland Peggy Piesche
Der ›Fortschritt‹ der Aufklärung – Kants ›Race‹ und die Zentrierung des weißen Subjekts
Arnold Farr
Wie Weißsein sichtbar wird. Aufklärungsrassismus und die Struktur eines rassifizierten Bewusstseins (Übersetzung von Ekpenyong Ani)
Maureen Maisha Eggers
Rassifizierte Machtdifferenz als Deutungsperspektive in der kritischen Weißseinsforschung in Deutschland. Zur Aktualität und Normativität diskursiver Vermittlungen von hierarchisch aufeinander bezogenen rassifizierten Konstruktionen
Paul Mecheril
Der doppelte Mangel, der das Schwarze Subjekt hervorbringt
Grada Kilomba
No Mask
Obioma Nnaemeka
Bodies That Don’t Matter: Black Bodies and the European Gaze
Kien Nghi Ha
Macht(t)raum(a) Berlin – Deutschland als Kolonialgesellschaft
Nicola Lauré al-Samarai
Inspirited Topography: Über/Lebensräume, Heim-Suchungen und die Verortung der Erfahrung in Schwarzen deutschen Kultur- und Wissenstraditionen
Hito Steyerl
White Cube und Black Box. Die Farbmetaphysik des Kunstbegriffs
Makoto Takeda
Zaubersprüche
Amy Evans
Achidi J’s Final Hours: This thing that happened in Aschaffenburg …
Jinthana Haritaworn
»Der Menschheit treu«: Rassenverrat und Multi-Themenpolitik im derzeitigen Multikulturalismus
RonAmber Deloney
Muse: Ich
Iyiola Solanke
Where are the Black lawyers in Germany?
Regina M. Banda Stein
Schwarze deutsche Frauen im Kontext kolonialer Pflegetraditionen oder von der Alltäglichkeit der Vergangenheit
Eddie Bruce-Jones
Survived (for Audre Lorde)
Nisma Cherrat
Mätresse – Wahnsinnige – Hure: Schwarze SchauspielerInnen am deutschsprachigen Theater
Sénouvo Agbota Zinsou
EIN FREMDER, WER’S GLAUBT! Klischees da wo man sich am wenigsten erwarten würde
(Übersetzung von Marianne Ballé Moudoumbou)
Mutlu Ergün
Hayal
Aretha Schwarzbach-Apithy
Interkulturalität und anti-rassistische Weis(s)heiten an Berliner Universitäten
Gbiango Junior
Das Auge ist der Zeuge
Aischa Ahmed
»Na ja, irgendwie hat man das ja gesehen«. Passing in Deutschland – Überlegungen zu Repräsentation und Differenz
Joshua Kwesi Aikins
Wer mit Feuer spielt ... Aneignung und Widerstand – Schwarze Musik/Kulturen in Deutschlands weißem Mainstream
Übergänge Timo Wandert & Randolph Ochsmann
»Even the rat was white.«
Whiteness, Rassismus und ›Race‹ in der Psychologie
María do Mar Castro Varela & Nikita Dhawan
Of Mimicry and (Wo)Man: Desiring Whiteness in Postcolonialism
Weiße Mythen, welche Masken? Kritische weiße Perspektiven Susan Arndt
Mythen des
weißen Subjekts: Verleugnung und Hierarchisierung von Rassismus
Anette Dietrich
Konstruktionen
weißer weiblicher Körper im Kontext des deutschen Kolonialismus
Katharina Walgenbach
›Weißsein‹ und ›Deutschsein‹ – historische Interdependenzen
Sander Gilman
Die jüdische Nase: Sind Juden/Jüdinnen
weiß ? Oder: die Geschichte der Nasenchirurgie. (Übersetzung von Viola Prüschenk)
Eske Wollrad
Weißsein und bundesdeutsche Gender Studies
Carsten Junker
Weißsein in der akademischen Praxis: Überlegungen zu einer kritischen Analysekategorie in den deutschsprachigen Kulturwissenschaften
Astrid Albrecht-Heide
Weißsein und Erziehungswissenschaft
Katharina Schramm
Weißsein als Forschungsgegenstand. Methodenreflexion und ›neue Felder‹ in der Ethnologie
Antje Hornscheidt
(Nicht)Benennungen:
Critical Whiteness Studies und Linguistik
Julia Roth
»Stumm, bedeutungslos, gefrorenes Weiß«. Der Umgang mit Toni Morrisons Essays im
weißen deutschen Kontext
Juliane Strohschein
Als
weiße Studierende in einer
weißen Universität: erste Positionierung
Dagmar Schultz
Witnessing Whiteness – ein persönliches Zeugnis
Ursula Wachendorfer
Weiße halten
weiße Räume
weiß Zur Rezension von Claudia Breger für H-Soz-u-Kult: Auszug: "Mit seiner thematischen wie perspektivischen Vielstimmigkeit und dem hier nur auszugsweise referierten Reichtum theoretischer Vorschläge und historischer Fallstudien bildet er eine unverzichtbare Grundlage für die deutsche Auseinandersetzung mit dem Thema Weißsein im Kontext kritischer Rasse-Forschung." Rezensiert für H-Soz-u-Kult: Claudia Breger, Germanic Studies, Indiana University.
Zur Rezension bei H-Soz-u-Kult Zur Rezension von Jos Schnurer: „Weiß ist eine Gelegenheitsfarbe – Schwarz die Farbe aller Tage“ Zur Rezension von Nicole Rummel, an.schläge : "Weißsein entmachten" Zur Rezension von Rosa Reitsamer, [sic!]: " Weißsein in Deutschland " Zur Rezension von Lars Stubbe, iz3w : Auszug: "Wie aber kann "kritisches Weißsein" in Deutschland verstanden werden, das doch nur eine relativ kurze Kolonialgeschichte aufweist? Diesen Standardeinwurf beantworten die AutorInnen auf verschiedenen Ebenen: Einmal, indem sie über die konkrete Rekonstruktion der (neo-)kolonialen Geschichte nachweisen, dass Afrika und schwarze Menschen für das Deutschland des 19. und 20. Jahrhunderts konstitutiv waren und es weiterhin sind. Sie untersuchen die Schriften von Kant und Hegel und belegen, dass nicht nur sie von rassistischen Essentialisierungen ausgingen, sondern dass auch kritischere Geister der deutschen Aufklärung sich dem nicht zu entziehen wussten. Die Fülle der Analysen von verschiedenen gesellschaftlichen Feldern, betreffen sie nun das Theater, die Jurisprudenz, die Krankenpflege oder die Universität, verdeutlicht, welchen Beitrag die kritische Weißseinsforschung zur Demaskierung weißer Hegemonie leisten kann. ... Trotz aller Kritik: zur Verankerung der kritischen Weißseinsstudien im Kanon universitärer Lehre ist der Band wie kein zweiter geeignet." Lars Stubbe, in:
iz3w Nr. 295 (September 2006) Zur Rezension von Pia Garske, sul serio: sul serio #11 Zur Rezension von Anke Schwarzer, analyse + kritik: "...Aus der Sicht El-Tayebs ist die kritische Weißseinsforschung ein äußerst wichtiger Schritt aus der Sackgasse, die Paul Gilroy 1992 als "the end of anti-racism" beschrieb, da sie besser geeignet sei das Rassenkonzept zu de-essentialisieren als ein Festhalten am Sprechen für die unterdrückten "Anderen", welches (inner)weiße rassifizierte Dynamiken unhinterfragt lässt. Das Buch fasst nun zum ersten Mal ein sehr breites Spektrum an Analysen zu Weißsein zusammen, das sich explizit auf die bundesrepublikanische Gesellschaft bezieht. ..."
Schritt aus der Sackgasse Interview mit Susan Arndt Freies Sender Kombinat (FSK), Hamburg 93,0 MHz
15497. Lorettas Leselampe November 06: Maureen Maisha Eggers, Grada Kilomba, Peggy Piesche, Susan Arndt (Hg.):Mythen. Subjekte. Masken. Kritische Weißseins-Forschung in
Deutschland. Unrast Verlag.
Interview mit Susan Arndt . 01.02.2007
14:52 min
deutsch