Seit fünfzehn Jahren stets aktuell von undogmatisch aktiven Menschen aus der Bewegung gemacht, ist der Antifa-Kalender mittlerweile ein nicht wegzudenkender Begleiter sowohl für Einsteiger/innen als auch für die Erfahrenen unter den politisch Aktiven.

Die Textbeiträge nehmen einerseits die aktuellen gesellschaftlichen Themen – auch abseits des klassischen Antifaschismus – kritisch unter die Lupe und geben so einen guten Überblick über den Stand der Diskussion innerhalb der Linken.
Anderseits werden in jeder Ausgabe Texte mit hohem Gebrauchswert für die konkrete politische Arbeit veröffentlicht. Vor allem der alljährliche kleine Rechtsratgeber hat sich seit Jahren auf Demonstrationen und bei politischen Aktionen als sehr hilfreich erwiesen.
Absolut unverzichtbar ist der Kalender für politisch Aktive aufgrund des umfangreichen und aktuellen Adressteils, der nicht nur Antifa-Gruppen, -Zeitungen, -Telefone und Internetseiten umfasst, sondern auch sämtliche Infoläden, Rechtshilfegruppen und viele weitere linke Gruppen.
Um die Lebensdauer des vielbenutzten und damit arg strapazierten Kalenders zu optimieren, erscheint er seit 3 Jahren in der unverwüstlichen fadengehefteten Version.
aktuelles Vorwort Liebe Mitmacherinnen und Mitmacher und liebe Zuguckerinnen und Zugucker,
ein Jahr ging im Galopp an uns vorbei. Das ist zumindest unter politischen Gesichtspunkten nicht das schlechteste, was passieren konnte. Mindestens genau so gut ist es da, dass es den antifaschistischen Kalender gab, in den man all die vielen nicht so erfreulichen und die wenigen erfreulichen Begebenheiten und Ereignisse eintragen konnte. Für jeden misslungenen Fallschirmsprung und für jeden angezettelten Krieg hatten wir ein bisschen Platz vorgehalten.
Am allerschönsten ist aber: in dieser Hinsicht wird sich nichts ändern. Auch dem kommenden Jahr spendieren wir hiermit 365 bis 366 Gelegenheiten, kritisch, kompetent, radikal und aktionistisch, verwegen und unseretwegen auch gerne voller guter Ideen durch ein Leben im Widerspruch zu gehen. Sollen doch die Theorien nicht mehr stimmen, dann denken wir uns neue aus. Sollen sich doch die Gruppen auflösen, dann gründen wir einfach andere. Sollen sich doch die Nazis auflösen, dann widmen wir uns eben der nächsten schreienden Dummheit. Es gibt wie immer genug zu tun.
Was das unter anderem heißen kann, haben wir versucht, im diesjährigen Kalender anhand einiger Artikel darzustellen: So beschäftigen wir uns eingangs mit einem Thema, das in der jüngsten Vergangenheit Anlass zu der einen oder anderen Diskussion in der antifaschistischen Bewegung bot, dem Diebstahl »linker Codes« durch organisierte Neonazis. Neben politischen Querfrontstrategien zeigt sich an diesem Aspekt neonazistischer Bemühungen, dass der Bereich »Kultur« ein Einfallstor für die Integration und Veralltäglichung rechten Denkens im gesellschaftlichen Mainstream darstellen soll. Wie bedrohlich dies für linke Politik ist und sein kann, skizziert der Artikel »Bilderrätsel und Zeichensprachen«.
Wer um das Heute kämpft, hat oft ein Problem mit dem Gestern, besonders wenn er Neonazi ist. Dass auch die so genannte und selbst ernannte neue Mitte allerdings jenes Gestern gerne ein für alle mal erledigt, historisiert und eingemeindet sieht, zeigt der Artikel über »Schlussstrichpolitik« und die bis heute andauernde Weigerung Deutschlands, die Opfer der Naziverbrechen zu »entschädigen«.
Eine jener Gruppen, die mit am brutalsten unter der Verfolgung durch die Nazis zu leiden hatte und auch nach 1945 systematischer Entrechtung und Stigmatisierung ausgesetzt ist, sind die Roma. Ein Artikel widmet sich ihrer Geschichte und der Geschichte ihrer Ausgrenzung.
Unsere Ländertour führt uns in diesem Jahr nach Italien, das ist das Land, das Bundeskanzler Schröder nicht bereisen wollte. AntifaschistInnen aus Mailand berichten darüber, was ihm entgangen ist und unter welchen Bedingungen Antifapolitik in Italien stattfindet.
Wer dann noch etwas vermisst, guckt im Internet nach. Davor allerdings empfehlen wir einen Blick auf ein Technik Spezial in diesem Kalender, das sich ausführlich dem Thema »Technik« und »Sicherheit« widmet. Im letzten Teil findet ihr dann den gewohnten Serviceteil. Was uns in diesem Zusammenhang besonders gefreut hat: Die Zahl der eingegangenen Adressen ist weiter gestiegen. Trotzdem wissen wir natürlich:
Die antifaschistische Bewegung hat sich auch im vergangenen Jahr eher von ihrer bockigen Seite gezeigt. Bundesweite Strukturen haben sich aufgelöst, neue Impulse haben selten zu langlebigen Organisierungen geführt, Diskussionen finden statt, Ergebnisse und Konsequenzen bleiben aber oft begrenzt auf einen engen Kreis, Mobilisierungen fanden meist nur noch im regionalen Rahmen statt. In dieser Situation verstehen wir den Antifaschistischen Kalender auch weiterhin und um so mehr als Strömungs übergreifendes Angebot, als offenen Versuch, das Gemeinsame der antifaschistischen Bewegung wieder heraus zu arbeiten und jenseits begrenzter Horizonte und sektenhafter Selbsteinschließung unseren Teil dazu beizutragen, den unerträglichen Verhältnissen mit unserer Unerträglichkeit zu Leibe zu rücken. Antifaschismus - wie immer mehr als nur der Kampf gegen organisierte Neonazis – bleibt dabei für uns der Ansatzpunkt, diese Verhältnisse in einem Land kenntlich zu machen, in dem der Schatten der Vergangenheit so tief hängt wie der Horizont. Wer das genau so sieht,
wer da mitmachen will, ist herzlich willkommen.
Dank an all diejenigen, die dem Kalender in seinem vierzehnten Jahr in den Sattel geholfen haben! In diesem und in jedem anderen Sinne auch: Antifaschismus sollte vorwärts kommen. Der Lauf geht weiter.