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Sat 1: "Wie die Wilden".
Appell zum Protest
Am 23.6.2006 hat der private Fernsehsender Sat1 mit der Ausstrahlung einer sechsteiligen Doku-Soap im Stil der gängigen Survivalshows begonnen. Der unsägliche Titel dieser Sendung lautet Wie die Wilden - Deutsche im Busch. Nicht nur die inhaltliche Konzeption, drei deutsche Familien zu bestimmten Ethnien in Indonesien, Namibia und Togo zu schicken, um mittels der Sensation, wenn Europäer mit ihnen fremden Kulturen auf primitive Weise kollidieren, Zuschauerzahlen zu generieren, empfinden wir als anstößig. Sat1 wirbt sowohl in der Presse als auch bei den betroffenen Landesregierungen damit, von den Ethnien (z.B. die Himba in Namibia) durch dieses Format etwas über die Anpassung an ihren Lebensraum zu lernen. Es ist aber auf Grund der inhaltlichen Konzeption mehr als eindeutig, dass nicht ein Lernprozeß oder ein einander Kennenlernen angestrebt ist, sondern die Sensation aus der konstruierten Verschiedenheit des Europäers und des Wilden erwachsen soll, was ausführlich den jeweiligen Vorankündigungen auf die Sendung zu entnehmen war. Auch und besonders wehren wir uns gegen die Verwendung kolonialer Begrifflichkeit im Zusammenhang mit den Ethnien in den drei erwähnten Ländern. Sowohl der Untertitel Deutsche im Busch erinnert stark an die deutsche Kolonialzeit gerade in Namibia als es auch der rassistischen Terminologie der damaligen Zeit entspricht, Menschen als Wilde oder Primitive zu bezeichnen. Es ist eindeutig und unmissverständlich, dass hier ein Gegensatz konstruiert wird zwischen den Deutschen, den Vertretern des entwickelten homo sapiens bzw. homo europaeus technicus, und z.B. den Himba, Vertretern des unterentwickelten, primitiven wie wilden homo africanus bzw. des Dritte-Welt-Menschen schlechthin. In unserem Anspruch, Bewusstsein und Wissen über Afrika zu erhellen und aufzuklären, und insbesondere auf Grund der grundlegenden Einbettung unserer Arbeit im Humanismus wehren wir uns eindeutig gegen diese diffamierende und rassistische Konnotierung von Menschen aus anderen Kulturkreisen. In dieser Ablehnung und in unserer Empörung über diesen Vorfall sehen wir uns unterstützt durch die namibische Botschaft. Sat1 hat sich zu diesen Vorwürfen, trotz unser Aufforderung, nicht geäußert. Wir bitten daher alle, die unsere Ansicht in dieser Sache teilen, an Sat1 eine Protestemail zu schreiben oder sich anderweitig an den Sender zu wenden, um den Verantwortlichen deutlich zu machen, dass solche Fehlgriffe nicht mehr auf eine schweigende Duldung hoffen können. Sat 1 : Oberwallstr. 6 10117 Berlin Tel.: 030/2090-0 Fax: 030/2090-2090 Auf der Website www.sat1.de findet sich beim Zuschauerservice ein direkter Link zur Sendung Wie die Wilden. Auch hierhin kann man sich wenden.
Im Anhang finden Sie die Druckversion dieser Email.
Mit freundlichen Grüßen Roger Künkel Präsident der Gesellschaft für Afrikanische Philosophie (GAPH)
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