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Zum Inhalt des Buches Antisexismus_reloaded

»Antisexismus_reloaded« ist ein Leitfaden, der aus den Erfahrungen und Auseinandersetzungen im politischen Alltag entstanden ist und der Realität Rechnung trägt, dass sich mit dem Thema sexualisierter Gewalt erst dann beschäftigt wird, wenn der »Ernstfall« eintritt und uns die Realität auf die Füße fällt. Hier versucht »Antisexismus_reloaded« einen Spagat:
Wenn Menschen (Frauen) von sexualisierter Gewalt unmittelbar betroffen werden, ist es für alle Beteiligten wichtig auch einen direkten und möglichst geeigneten Umgang mit der Situation zu finden. Aus der konkreten Erfahrung und Auseinandersetzung mit eben solchen »Ernstfällen« versuchen wir, entscheidende Punkte für einen notwendigen Umgang mit der Situation aufzuzeigen. So versuchen wir in Form eines Leitfadens eine erste Orientierung zu bieten. Dabei können sich die Leser_innen zunächst stichwortartig an zentralen Fragestellungen und Begriffen orientieren.
»Antisexismus_reloaded« versteht sich aber nicht einfach als kleiner Werkzeugkasten und Anleitung für die Erste Hilfe, die sich im Notfall aus dem Regal ziehen lässt. Aus der Erfahrung des politischen Umgangs mit der Realität sexualisierter Gewalt im jeweils eigenen politischen Umfeld heraus versuchen wir ein Basiswissen zu vermitteln, das zum kleinen 1x1 gehören sollte, wenn wir Politik auch als verantwortlichen Umgang miteinander verstehen wollen. Deshalb versteht sich »Antisexismus _reloaded« als notwendige Lektüre, die Wissen und Zugänge vermittelt, bevor der »Ernstfall« eintritt. Dabei wird auch deutlich, dass sexualisierte Gewalt ein grundlegendes Thema jeder politischen Arbeit darstellt. Es lässt sich nur schwerlich miteinander arbeiten und das notwendige Vertrauen entwickeln, wenn sexualisierte Gewalt als ein privates Problem abgespalten wird. Entsprechend markiert »Antisexismus_reloaded« auch die grundsätzlichen gesellschaftlichen und politischen Zusammenhänge, die sexualisierte Gewalt ermöglichen und einem notwendigen politischen Umgang damit im Wege stehen. Aus der Auseinandersetzung mit den Ursprüngen, Bedingungen und Folgen sexualisierter Gewalt heraus verdeutlichen wir, dass ein politischer Umgang mit der patriarchalen Verfasstheit der Gesellschaft und eben auch des eigenen politischen Zusammenhanges kein Lippenbekenntnis und keine Nebensache sein kann. Daraus ergeben sich, im Gegensatz zum allgemein gesellschaftlichen Umgang auch einige Besonderheiten für einen anderen und politischen Umgang mit sexualisierter Gewalt, auf den wir hinweisen: Es entsprich den allgemeinen Vorstellungen, dass sexualisierte Gewalt zunächst eine rein individuelles und privates Problem darstellt. Lässt sich das »Phänomen« nicht darauf allein beschränken, wird die Betroffene ein »Fall« für die Justiz und/oder die Psychologie/Medizin. Das »Phänomen« wird dabei jedoch nicht nur an Psychologie/Medizin und Justiz delegiert und damit »abgeschoben«. Leider zeigt sich, dass auch in politischen Zusammenhängen eine »Störfall«-Wahrnehmung vorherrscht und die gesellschaftlichen – also patriarchalen – Zusammenhänge nicht reflektiert werden. Wir versuchen dagegen eindeutig und konsequent die Bedingungen und Perspektiven der jeweils Betroffenen in den Blick zu bekommen und sie nicht als gesellschaftlichen »Störfall« hinzustellen.
Dabei ist es wichtig, dass ein politischer Umgang mit sexualisierter Gewalt die Betroffenen und die Beteiligten nicht individualisiert betrachtet und der individualisierende Umgang von Justiz und Medizin in Frage gestellt werden muss. Letzteres wird besonders deutlich, wenn Betroffene in der medizinischen Diagnostik pathologisiert werden. Und auch bei der Strafverfolgung stehen nicht die Betroffene und ihr Schutz im Vordergrund, sondern die Institution Justiz selbst. Ihre eigenen Wahrnehmungen werden durch fremde Kriterien bewertet und auch in der Position als Zeugin vor Gericht steht wiederum nicht ihr eigener Schutz im Vordergrund, sondern ein juristisch formuliertes und letztlich staatliches Interesse. Diese gesellschaftliche Realität entspricht nicht in aller notwenigen Konsequenz dem Schutz der Betroffenen. Auch hier wird auf die Problematiken für alle Beteiligten hingewiesen, über die rechtzeitig – also vor dem Ernstfall - nachgedacht werden muss. Wir konzentrieren uns auf die spezielle Bedeutung sexualisierter Gewalt und ihrer gesellschaftlichen und politischen Zusammenhänge. Die Nähe zu anderen Gewalterfahrung kann dabei nur angesprochen werden. Dabei wollen wir keineswegs auf eine Exklusivität des Themas hinweisen. Die spezielle Auseinandersetzung mit einem notwendigen Umgang mit sexualisiert Gewalt, verweist hier auch auf die Parallelen zu anderen Gewaltverhältnissen und -erfahrungen und die Notwenigkeit, dort je spezielle Auseinandersetzungen zu entwickeln.

re.ACTion

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re.ACTion
Antisexismus_reloaded
Zum Umgang mit sexualisierter Gewalt - ein Handbuch für die antisexistische Praxis
ISBN 978-3-89771-301-7