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Leseprobe | Klaus Pedersen: Naturschutz und Profit

Auszug aus:

Klaus Pedersen
Naturschutz und Profit
Menschen zwischen Vertreibung und Naturzerstörung
ISBN 978-3-89771-476-2 | 140 Seiten | 13.80 Euro

Einführung



In der Vergangenheit war die »unberührte Natur« – die oftmals menschenleeren Räume der Schutzgebiete, vor allem in den Ländern des Südens – keineswegs menschenleer. Im Gegenteil: viele Millionen Menschen lebten früher in Gebieten, die uns heute als Schutzgebiete präsentiert werden. Menschen, die zumeist mit weniger als (umgerechnet) einem US-Dollar pro Tag auskommen mussten (und müssen) und deshalb dringend auf jene Ressourcen angewiesen waren, die jetzt für andere reserviert sind. Hinzu kommen der Verlust der kulturellen Identität und die Zerstörung der sozialen Strukturen, die mit der Entfernung dieser Menschen aus den zu Naturschutzgebieten erklärten Territorien verbunden waren. Niemand verlässt freiwillig ein Gebiet, in dem er auskömmlich leben kann. Deshalb wurden diese Menschen aus den designierten Biosphärenreservaten und Nationalparks gewaltsam vertrieben oder sie wurden zwangsumgesiedelt. Global betrachtet wurden sie vertrieben, weil es die Zwänge des »freien« Marktes erforderten: Schutzgebiete sind – wie wir in diesem Buch sehen werden – Ausgleichsflächen für weltweite profit- und wachstumsbedingte Naturzerstörung.

Nationalparks sind in der westlichen Welt angesehene und beliebte Objekte. Sie bieten Natur als »Erlebnis« und vermitteln das gute Gefühl, dass an besonders wichtigen Stellen der Welt, die Natur erhalten wird. Die tieferen Gründe, warum derartige Gebilde überhaupt erforderlich sind, werden selten hinterfragt. Im allgemeinen Diskurs gilt: »Der Mensch« zerstört die Natur, also muss diese vor ihm geschützt werden. In Nationalparks und Naturschutzgebieten darf man sich nur nach bestimmten, naturverträglichen Regeln bewegen. In den Kernzonen dieser Gebiete hat überhaupt niemand etwas zu suchen – die Naturschützer ausgenommen. »Naturschutz« und die gesellschaftlichen Ursachen für Naturzerstörung sind in der öffentlichen Diskussion weitgehend entkoppelt. In dieser Hinsicht steht der Naturschutz nicht allein da. Die Beschreibung von Symptomen unter Ausblendung der Ursachen ist Teil der allgemeinen Strategie zur gesellschaftlichen Konfliktlösung im Kapitalismus. Wenn das Symptom – in diesem Fall die Zerstörung von Natur und Umwelt – nicht mehr zu übersehen ist, zeigt man sich dialogbereit. Unternehmen und Institutionen suchen gemeinsam nach »Lösungen« und »Alternativen«, allerdings ohne die tieferen Ursachen zu benennen, die den Symptomen zugrunde liegen, geschweige denn, diesen auf den Leib zu rücken. Auch in vielen Umweltverbänden, Verbraucherschutzorganisationen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) schreckt man davor zurück, bestimmte Dinge zu Ende zu denken, denn das würde zu sehr radikalen Positionen führen. In diesen Kreisen wird dann die Auffassung vertreten, dass es sozial unverantwortlich wäre, Konflikte zu eskalieren und mit zu starken Forderungen den erhofften (Teil)Erfolg zu gefährden. Im Bemühen, Missstände zu korrigieren, bleibt die Frage nach der Notwendigkeit bestimmter gesellschaftliche Phänomene auf der Strecke.

Nicht selten bilden starke Eindrücke von einer konkreten Situation den Ausgangspunkt für eine bestimmte Entwicklung. So war der erste Auslöser für dieses Buch die persönliche Begegnung mit Naturschutzflüchtlingen1 im Februar 2003 in Chiapas, Mexiko. Später kam die verstärkte Auseinandersetzung mit dieser Thematik im Zusammenhang mit Recherchen zum Mittelamerikanischen Biologischen Korridor2 hinzu und schließlich die Erkenntnis, dass es sich dabei um ein weltweites Phänomen handelt, dessen Ausmaße – zumindest im deutschen Sprachraum – nur einer verschwindend kleinen Zahl von »SpezialistInnen« bekannt ist. Der Autor dieses Buches ist als Mitstreiter der BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie ( www.biopiraterie.de ) mit einem Teil des kritischen Diskurses zum Thema Biopolitik vertraut. Dazu zählen die Themenfelder »rote« und »grüne« Gentechnik, Eigentumsmonopole auf Lebensformen und die private Aneignung traditionellen Wissens über Komponenten der biologischen Vielfalt. Aber selbst innerhalb der BUKO-Kampagne ist das Thema »Naturschutz« kein Schwerpunkt – unter anderem aus Kapazitätsgründen.

Die oben skizzierte fatale Entwicklung, die es schon seit Jahrzehnten gab, erhielt zusätzlichen Auftrieb, als der Vierte World Parks Congress 1992 das Ziel verkündete, 10% der globalen Landfläche in Schutzgebiete zu verwandeln (ein Ziel, das offiziell 2003 erreicht, in Wirklichkeit aber deutlich überschritten wurde). An diesem Punkt begann ein Wettlauf um Fördergelder und Lobbyeinflüsse. Dieses Ziel lieferte diversen NGOs und »Entwicklungshilfe«-Programmen einen neuen Handlungsschwerpunkt (vgl. West und Brockington 2006). Das naturzerstörerische Gesellschaftsmodell, das die als »Naturschutzgebiete« bezeichneten Ausgleichsflächen erforderlich macht, wurde und wird von kaum einer Seite in Frage gestellt. Das Konzept einer symptomatischen Behandlung ist nach wie vor das Mittel der Wahl.
Im Gegensatz zu diesem Konzept wird hier folgende These vertreten: In einer besseren Welt, die nicht auf Profit und Scheinbedürfnissen basiert, sondern auf Solidarität und der Befriedigung tatsächlicher Bedürfnisse, wären Naturschutzgebiete nicht notwendig. Solche mit biologischem Reichtum gesegneten Regionen wären auf »natürliche« Weise geschützt, ohne dass jene, die dort seit Menschengedenken leben, zwangsumgesiedelt werden müssten. In dieser besseren Welt, in der die Dinge des täglichen Lebens nicht die Warenform annähmen, gäbe es beispielsweise keinen Raubbau an Wäldern und keinen illegalen Holzeinschlag, denn der weltweite Bedarf an Zellulose und Edelhölzern wäre um ein Vielfaches geringer. In diesem Buch werden keine Rezepte dafür angeboten, wie eine solche Welt zu erreichen wäre. Dies ist ohnehin nicht möglich, denn getreu dem zapatistischen Prinzip preguntando caminamos (fragend gehen wir voran) zeichnet sich der Weg erst ab, während man ihn beschreitet. Entscheidend ist jedoch, die richtige Richtung einzuschlagen, was umso einfacher wird, wenn falsche Richtungen so bald wie möglich als solche erkannt werden. Dies ist an und für sich eine Binsenweisheit, die Einsicht jedoch, dass man sich mit »Naturschutz« im Prinzip auf der falschen Fährte befindet, ist nicht ganz so trivial.
Damit soll nicht in Abrede gestellt werden, dass beim heutigen Zustand der (Um)Welt, Maßnahmen zur Erhaltung von Natur und biologischer Vielfalt dringend erforderlich sind. Aber eine kritische Analyse des westlichen Diskurses zum Thema Naturschutz ist wichtig, um die gängige »Naturschutz-Ideologie« zu entschleiern, mit der die repressiven Maßnahmen, von denen in diesem Buch die Rede sein wird, gerechtfertigt bzw. vertuscht werden. Wer die »diskursive Trennung« von Natur und Gesellschaft (West et al. 2006) schluckt, ist früher oder später auch bereit, den »Greenwash« multinationaler Konzerne und systemkonformer NGOs zu akzeptieren. Es geht also darum, Naturschutz als Facette eines zerstörerischen Gesellschaftssystems mit seinen desaströsen sozialen und ökologischen Folgen zu begreifen.

Ein Beispiel für die »diskursive Trennung von Natur und Gesellschaft« ist der Begriff des »Wilddiebs« – ein wiederbelebtes Wort aus der Feudalepoche. Dieser Begriff erlaubt, nunmehr bezogen auf die Länder des Südens, die lokale Bevölkerung verbal von ihrer Umgebung zu trennen, sie als Umweltzerstörer darzustellen und so gesellschaftliche Akzeptanz dafür zu schaffen, dass sie vertrieben oder zwangsumgesiedelt werden kann. »Wilddiebe« sind die Widersacher der Retter der »Natur«. Und da ParkrangerInnen und FreilandbiologInnen nur in deren Auftrag handeln, befinden sich schlussendlich die »wahren« EigentümerInnen der Natur in den Metropolen des Nordens. Sie sitzen entweder in den Konzernzentralen und sorgen sich um verloren gehende genetische Ressourcen, sie führen als Naturschutz-NGOs ein – bei näherem Hinsehen – sonderbares Eigenleben, sie verdienen an Naturfilmen, die zwischen Werbespots vom Fernsehvolk konsumiert werden, oder sie kommen als »Öko«touristInnen bzw. Großwildjäger über viele tausend Kilometer herbei geflogen3, um sich an der interessanten Tier- und Pflanzenwelt zu erfreuen und gegebenenfalls auf sie zu schießen, während diese erforderlichenfalls von paramilitärisch ausgerüsteten Parkrangern gegen »Wilddiebe« verteidigt wird.
Nun, die Welt besteht aus mehr Farben und Schattierungen als Schwarz und Weiß.
Einerseits werden Tiere der Tropen nicht nur von der lokalen Bevölkerung zum Zweck der Selbstversorgung getötet. Bekanntlich gibt es, den Gesetzmäßigkeiten kapitalistischer Wertschöpfung folgend, einen florierenden Handel mit Trophäen und seltenen Tierarten. Ein Geschäft, das fest in den illegalen Bereich der Weltwirtschaft integriert ist. Die Parallelen zum Drogengeschäft und zum illegalen Holzhandel sind frappierend: Die an den Schalthebeln sitzenden Hehler sind anonym und gut geschützt. Das »Fußvolk« fängt und tötet seltene Tiere aufgrund der finanziellen Attraktivität solcher Handlungen im Umfeld sozialökonomischer Misere, ähnlich den illegalen Holzfällern und Drogenanbauern. Der Preis für ihre relative materielle Besserstellung ist das simultane Ausgesetztsein gegenüber brutalen Bossen und der staatlichen Exekutive.
Andererseits lassen sich auch ParkrangerInnen und die MitarbeiterInnen von Naturschutz-NGOs nicht über einen Kamm scheren. Unter ihnen gibt es solche, die mit brutaler Gewalt ihrem Geschäft nachgehen und sich schwere Menschenrechtsverletzungen zu Schulden kommen lassen. Aber nicht alle Parkranger sind paramilitärisch trainierte Rambos und nicht alle NaturschützerInnen sind blind gegenüber den vor Ort herrschenden sozialen Problemen. Es gibt weltweit sicher einen nicht unbedeutenden Teil von ParkrangerInnen, die sich unwohl fühlen, wenn sie Polizeiaufgaben gegenüber der lokalen Bevölkerung ausüben müssen. Dies wurde zum Beispiel in einer Anfang 2006 auf arte ausgestrahlten Dokumentation über die Wasserfälle von Iguaçu und den sie umgebenden Nationalpark sehr deutlich.
In der öffentlichen Diskussion blieben die sozialen Folgen der globalen Ausgleichflächen-Politik über viele Jahre ausgeblendet, und sie werden auch heute noch gern negiert oder heruntergespielt. Immerhin, Ende 2006, vierzehn Jahre (!) nach dem Startschuss zu der oben angesprochenen Schutzgebiets-Bonanza, veranstaltete das Bundesamt für Naturschutz (BfN) einen Workshop internationaler ExpertInnen mit dem Thema Linking Nature Conservation and Poverty Reduction (Verknüpfung von Naturschutz und Armutsreduzierung). Das Thema ließ aufhorchen. Wachten die Institutionen des Nordens endlich auf und kamen zu der Schlussfolgerung, dass man die prinzipielle Ursache von Armut, den globalisierten Kapitalismus, konfrontieren müsse, um so einen schonungsvolleren Umgang mit Natur zu erreichen? Doch leider gefehlt – die Arbeitsergebnisse blieben weit hinter dieser Erkenntnis zurück, und die Schwammigkeit der vom Workshop verabschiedeten Empfehlungen ist geradezu peinlich. So fordern die TeilnehmerInnen dieses von regierungsoffizieller Stelle veranstalteten Workshops unter anderem, Methoden für soziale Folgeabschätzungen von Naturschutzmaßnahmen und Kriterien für angemessene und gerechte Entschädigungsprogramme zu entwickeln: Dinge die seit Jahren – zumindest theoretisch – Voraussetzung für die Vergabe von Projektgeldern sowohl der Weltbank als auch des bundesdeutschen Entwicklungshilfeministeriums (BMZ) sind. Eine Diskussion darüber, warum diese Methoden und Kriterien in der Praxis offensichtlich ungenügend oder überhaupt nicht zur Anwendung kommen, wurde – nach den Workshop-Dokumenten zu urteilen – nicht geführt.
Da die sozialen Folgen von Naturschutz für die lokale Bevölkerung in den Ländern des Südens auf den Fachtagungen und (Geber)Konferenzen des Nordens sowie in der öffentlichen Diskussion kaum angesprochen werden, will das vorliegende Buch zur Thematisierung dieser Missstände beitragen. Zugleich wird versucht, den unmittelbaren Zusammenhang zwischen Naturschutz und Naturzerstörung an ausgewählten Beispielen zu verdeutlichen. Schließlich sind die Akteure beider Handlungsweisen oft die gleichen: Dieselben Regierungen, die die Vertreibung von Menschen zur Schaffung von Schutzgebieten anordnen, erteilen Konzessionen zum Holzeinschlag bis hin zum Kahlschlag sowie zur Anpflanzung von Baumplantagen. Es sind die gleichen Firmen, durch deren profitorientiertes Wirtschaften Natur und Umwelt in großem Maßstab zerstört werden, die sich dann mit »Ökosponsoring« ein grünes Mäntelchen umhängen. Und es sind eben jene Naturschutz-NGOs, bei denen man sich dieses grüne Mäntelchen kaufen kann, die anschließend darauf hinwirken, dass aus den zu Schutzgebieten erklärten Territorien die dort lebende Bevölkerung vertrieben oder zwangsumgesiedelt wird.

Der erste Teil des Buches ist jenen Menschen gewidmet, die die westlichen Vorstellungen von Naturschutz am eigenen Leib zu spüren bekommen. Ausgehend von einer kurzen historischen Betrachtung, wie Naturschutz überhaupt entstanden ist, und einer kurzen Bilanz zum aktuellen Stand der weltweiten Etablierung von Schutzgebieten, wenden wir uns dem »Flaggschiff« des Naturschutzes – dem Nationalpark – zu. Anhand der Nationalparkstrategie lässt sich das westliche Naturschutzkonzept besonders gut verdeutlichen.
Die gravierenden Menschenrechtsverletzungen, die im Namen des Naturschutzes verübt wurden und werden, sind, von anekdotenhaften Anmerkungen abgesehen, in der Öffentlichkeit so gut wie unbekannt. Aus diesem Grunde wird dieser Punkt unter der Überschrift »Schützen durch Verdrängen, Zerstören und Marginalisieren« ausführlich behandelt. Nach einem kurzen allgemeinen Überblick wird die Situation an Beispielen aus drei Ländern (Uganda, Tansania, Mexiko) differenzierter dargestellt.
Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich mit den »Gewinnern«. Zunächst nehmen wir die großen Naturschutz-NGOs, die heute eher multinationalen Unternehmen mit Marketingabteilung entsprechen, unter die Lupe. Danach wird anhand zweier Zusammenhänge versucht, die These zu belegen, dass Naturschutz eine Folge kapitalistischer Gesellschaftsverhältnisse ist. Erstens wird gezeigt, wie Inwertsetzung von Natur erfolgt und wie sie dadurch selbst warenförmigen Charakter annimmt (mit den Beispielen Bioprospektion und CO2-Senken). Zweitens erfolgt über Naturzerstörung auch heute noch ursprüngliche Akkumulation in Marxschem Sinne: Riesige, von der lokalen Bevölkerung auf traditionelle Weise genutzte »Naturflächen« werden über massive Enteignungsprozesse in kapitalistische Wertschöpfungsprozesse integriert, ähnlich wie dies in der Ära der kolonialen Eroberungen vom 16. bis zum frühen 20. Jahrhundert geschah. Es handelt sich um einen kontinuierlichen Prozess bis in unsere Tage, dem – historisch betrachtet – das so genannte Ende der Kolonialzeit keinen Abbruch getan hat. Verknüpft mit den kapitalistischen Wertschöpfungsprozessen kommt es, bedingt durch Ressourcenverschwendung zur Verwüstung der natürlichen Umwelt. Und als Folge dessen sieht man sich genötigt, andere Flächen zu Naturschutzgebieten zu erklären, was erneut mit Enteignungsprozessen verbunden ist – der sprichwörtliche Teufelskreis. Mit exemplarischen Betrachtungen zum Zelluloseboom, zu »nachwachsenden Treibstoffen« und der damit verbundenen Baumplantagenwirtschaft wird die Kehrseite des Naturschutzgeschäfts ins Bewusstsein gerückt.

An dieser Stelle noch ein Wort, um dem möglichen Vorwurf des »Indigenismus« zu begegnen. Nachfolgend werden immer wieder Indigenas im Mittelpunkt der Betrachtung stehen, was allerdings nicht als »Ethnisierung« der Problemstellung missverstanden werden sollte. Brockington et al. (2006) brachten es auf den Punkt, als sie schrieben, dass die Politik der Schaffung von Schutzgebieten zwar global gesehen auf indigene Völker einen besonders gravierenden Einfluss hat. Doch in vielen Ländern seien nicht-indigene Teile der Bevölkerung genauso verarmt wie indigene. Deshalb würde die ausschließliche Konzentration auf Indígenas bei Forderungen nach mehr Gerechtigkeit beim Biodiversitätsschutz dazu führen, dass diese Forderungen ihren allgemeingültigen Charakter einbüßten. Zugleich sollten wir uns im Klaren darüber sein, dass lokale Strukturen nicht automatisch ein Hort von Basisdemokratie sind. Das wurde kürzlich von Dan Brockington anhand seiner Erfahrungen in Tansania darlegt (Brockington 2007), und es entspricht den eigenen Erfahrungen aus Chiapas, wo korrupte, machtbesessene ländliche Strukturen von der mexikanischen Regierung einerseits korrumpiert und andererseits für die Aufstandbekämpfung (gegen die Zapatistas) instrumentalisiert werden. Dies ist ein ziemlicher Wermutstropfen für das attraktiv klingende Konzept von »Gemeinde«-Naturschutz. Doch leider ist es sicher eine in vielen Regionen der Welt anzutreffende Realität, dass korrupte und autoritäre örtliche Machthaber der lokalen Bevölkerung die möglichen Vorteile einer dörflichen Verwaltung von Waldreservaten vorenthalten. Gravierend wird es, wenn derartige Verhältnisse von den nationalen oder internationalen Eliten zum eigenen Machterhalt benutzt werden.

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Klaus Pedersen
Naturschutz und Profit
Menschen zwischen Vertreibung und Naturzerstörung
ISBN 978-3-89771-476-2 | 140 Seiten | 13.80 Euro
Erschienen im Mai 2008