Bei unrast:

Marcos zu Don Manuel Vázquez Montalbán

Betreff: Marcos zu Don Manuel Vázquez Montalbán
Datum: Mon, 6 Dec 2004


[Manuel Vásquez Montalbán war einer der bekanntesten Intellektuellen
Spaniens und Erfinder des beliebten Krimihelden Pepe Carvalho, eines Ex-
Kommunisten und CIA-Agenten, der über das zeitgenössische Spanien zynische
Sprüche macht. Dabei verheizt er auch schonmal Bücher von Autoren die ihm
nicht passen. Morde waren in den 22 Krimis, die in 24 Sprachen übersetzt
wurden, eher nebensächlich: es ging eher um eine kritische Beschreibung
der Gesellschaft. Kochbücher schrieb der Gourmet auch - und Gedichte.
Außerdem verfaßte er politische Essays und schrieb regelmäßig Kolumnen für
die Tageszeitung "El Pais". Für seine Arbeiten wurde er mit mehreren
renomierten Literaturpreisen ausgezeichnet.
Der aus Barcelona stammende Autor (* 1939) war selbst in den 60er Jahren
im ZK der spanischen KP, saß unter Franco im Knast und erhielt
Schreibverbot. Am Freitag, 17.10.2003 starb er im Alter von 64 Jahren auf
dem Rückflug von einer Australien-Lesereise, anscheinend an einem
Herzinfarkt (er hatte bereits vier Bypässe) in der Wartehalle des
Flughafens von Bangkok.

In Guadalajara, Mexico, fand Anfang Dezember 2004 die 18. Feria
Internacional del Libro (FIL), die 18. Internationale Buchmesse, mit rund
460.000 BesucherInnen und über eineinhalbtausend AustellerInnen statt. Die
Buchmesse gastiert in wechselnden Ländern und wird 2005 in Peru vom 26.11.-
4.12. ihre Pforten öffnen.

Anmerkungen: LPA]
_________________________________

Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung [EZLN, Chiapas]

Mexiko

November 2004-12-03
An: Doña Ana and Don Daniel
Barcelona, Katalonien, Spanien

Guadalajara, Jalisco, Mexiko.


(...)

Ich weiß nicht wo ich beginnen soll. Schließlich ist dieser Brief nur der
Versuch einer Umarmung außerhalb der Zeit - auf jene anachronistische Art
und Weise, die die ZapatistInnen definiert - der Menschen denen wir uns
nahe fühlen. Ich wollte zu Ihnen über Don Manuel Vázquez Montalbán
sprechen. Ich weiß, dass es absurd erscheinen mag, dass ich zu Ihnen über
ihn spreche. Aber indem ich über ihn spreche versuche ich nicht ihn zu uns
zu bringen oder für uns zu vereinnahmen, sondern uns zu ihm hin zu
erstrecken, als das was er immer war: eine Brücke.

Und Don Vázquez Montalbán könnte auch ohne zu existieren wieder zu einer
Brücke werden, so dass unser Wort, das der Zapatisten, das heute so außer
Mode ist, unter den vielen Genies der Welt, die sich gerade in Mexiko
zusammenfinden, ein Platz finden könnte.

Und nun, während ich diese Zeilen schreibe, verstehe ich, dass dies
vielleicht schon immer seine Absicht war, und wir sie vielleicht nutzen
sollten um über uns zu sprechen, über unsere Errungenschaften und
Fehlschläge, unsere Träume und Alpträume, von Kontinuitäten und
Unterbrechungen. Aber nein, diese Versuchung dauerte nur einige Sekunden.
Und so werde ich nicht über uns sprechen. Ich werde, oder werde vielmehr
versuchen über ihn zu sprechen.

Zuerst glaubten wir nicht an seinen Tod. An einem Platz fern unserer
eigenen Geographie zu verschwinden, genauer gesagt auf einem Flughafen in
Bangkok, erschien uns damals wie ein Trick aus einem Detektivroman, und
nicht wie eine endgültige Abwesenheit. Wir glaubten nicht, dass er tot war
und so warteten wir. Er würde früher oder später auftauchen, mit einer
neuen Geschichte von Pepe Carvalho oder einem Interview mit einer Gruppe
anti-neoliberalen "Anderen", die den übrigen "Anderen" der komplizierten
Geographie des globalen Widerstandes unbekannt sind. Dann würden wir
einige unhöfliche Sachen zu ihm sagen (natürlich darauf achtend, dass er
sie nicht hört), und wir würden weitermachen, im Wissen, dass er irgendwo
da draußen wäre. Er würde nicht sterben, dachte ich, ohne uns vorher zu
warnen. Aber nein, Don Vázquez Montalbán war wirklich gegangen, und ließ
uns ein kleines bisschen leerer zurück. Und die Tatsache, dass er wirklich
weg war, machte uns (und macht uns) ein wenig wütend.

So reagieren wir nun mal auf den Tod: zuerst macht er uns wütend, dann
traurig, und später beides.

Don Vázquez Montalbán war nicht unser Freund, er war unser Compañero.
"Reisegefährte," schrieb er einmal. "Nur ein Compañero," sagten und sagen
wir. Ich weiß nicht ob das für ihn oder für Sie etwas Gutes oder
Schlechtes bedeutet. Für uns bedeutet es alles.

Ich sprach nur einmal mit ihm persönlich, und deshalb werde ich gar nicht
erst versuchen zu sagen wie er war oder nicht war. Es gibt sicher andere
Personen, ganz besonders Sie zwei, die uns ein vollständigeres Bild von
ihm vermitteln könnten.

Ich erinnere mich damals die üblichen Grüße ausgetauscht zu haben, sowie
einige Witze über Spanische Künstler (Marisol, Joselito, Pili und Mili),
Ich denke wir sangen sogar dieses Duett über "Das Leben ist eine Tombola,
tom, tom, Tombola." Natürlich erkannte er nicht, dass ich den Chorus sang,
und sprach mir die Rolle des Solisten zu. Danach wurden wir ernst. Nun,
zumindest versuchten wir es. In Wahrheit kam mir dieses Treffen damals so
vor wie zwei Boxer, die sich konfrontieren, und die ersten Minuten des
Kampfes damit zubringen sich gegenseitig zu studieren . nur um hinterher
zu erkennen, dass sie eigentlich den Schiedsrichter hätten verprügeln
müssen.

Ich glaube er versuchte zu verstehen. Ich glaube er versuchte sich über
das falsche Dilemma zu stellen, ein Marcos "Fan" oder ein Marcos "Anti-
Fan" zu sein (ein Dilemma, das zu jener Zeit unter den progressiven
Intellektuellen sehr in Mode war).

Es scheint mir, dass Don Vázquez Montalbán durch seine Bücher und durch
sein Leben demonstrierte, dass es nicht seine Art war eine Sache
unkritisch anzunehmen. Ich denke, dass er dem Marxismus von Groucho
folgend, keiner Sache Sympathie entgegenbringen würde, die ihn als
Sympathisanten akzeptiert. Im Grunde glaube ich, war er sich nicht einmal
selbst ein "Fan". Er war gehörte nicht zu jenen Intellektuellen, die ihre
Götter und Liturgien wie Schuhe wechseln (wenn sie sie überhaupt
wechseln). Nachdem ich seine Essays gelesen hatte, schien er mir sogar in
Sachen Manuel Vázquez Montalbán ein Atheist zu sein, aber unerschütterlich
an die Existenz des Bösen glaubte, und an die Notwendigkeit es zu
konfrontieren.

Er setzte das scharfe Skalpell der Worte nicht nur ein um die
verschiedenen Mächte zu sezieren, die sich in der Weltgeographie
gegenseitig ablösten. Er benutzte ihn auch angesichts der angeblichen oder
wirklichen Gegner, die der Spiegel der Macht zwangsläufig hervorbringt.
Ich habe das Gefühl, dass er ihn sogar gegen sich selbst einsetzte (aber
Sie und andere können mehr darüber sagen)

Bei unserer damaligen Unterhalten gab er mir den Eindruck, dass er nach
etwas suchte, aber nicht nach einem Anliegen, das er aus der Ferne erlösen
könnte, oder nach mehr Desillusionierung um seinen Skeptizimus gegenüber
allem zu bestätigen (dieses elegante Alibi um sich für nichts
einzusetzen). Ich glaube ehrlich, dass er versuchte hinter die Skimaske zu
blicken um eine Bewegung zu entdecken und zu finden: den Zapatismus. Und
ich denke, dass er ihn gefunden hat, ich meine uns gefunden hat. Nur so
kann ich mir seine fröhliche Entschlossenheit uns kennenzulernen erklären,
mit uns im Licht und im Schatten zu stehen, sogar in Katalonien, auf einem
Flughafen in Bangkok oder in Guadalajara.

Denn das Mexikanische Guadalajara ist nun von Worten erleuchtet, aber es
trägt auch den Schatten der jungen Weltveränderer, die von jenen Mördern
des Lichts gefangen wurden, die nun unsere verwundete Geographie regieren.

Ich weiß nicht, aber vielleicht hat Don Vázquez Montalbán sogar ein
kleines bisschen Licht auf die Gefängnisse von Guadalajara gerichtet, die
Jugend und kreative Rebellion einsperren. Und wenn wir über die Repression
reden, die diese jungen Leute erleiden, scheinen die Worte die er einst
schrieb angemessen: "Die neue Rechte ist wie ein Tropfen Wasser zur
Rechten des Alters, das es nicht vermeiden kann zu sagen, daß Unordnung
schlimmer ist als Ungerechtigkeit" ("Die Neoliberale Theologie," in El
País, 5. April, 1994).

Oder vielleicht wäre er damit einverstanden gewesen, sich von uns
Zapatisten als Brücke benutzen zu lassen, um diese "Anderen" zu grüßen und
zu umarmen, die gefangen sind wegen eines Verbrechens des "lese
Neoliberalism": nämlich durch ihre bloße Existenz eine Ordnung gestört zu
haben, die auf dem Tod der Intelligenz gebaut ist.

Denn diese jungen Leute wurden wegen Hässlichkeit eingesperrt. Durch ihre
Gefangennahme nimmt die Regierung lediglich eine Schönheitsbehandlung vor.
Das Unrecht ihrer Gefangenschaft wurde mit dem Spülmittel der "Ordnung"
gereinigt. Wenn die Macht nämlich keine Argumente mehr hat (etwas, das
fast ständig der Fall ist), verkleidet sich die Repression als
Zurechtrücker des Chaos (wobei "Chaos" mit der Existenz des Anderen
gleichgesetzt wird).

Für die neoliberale Sterilität, machen Menschen die Strassen hässlich und
schmutzig, und die Polizisten sind nur moderne Straßenkehrer. Wenn sie
statt Besen Schusswaffen und Anti-Krawall Ausrüstung einsetzen, liegt das
nur am technologischen Fortschritt, und nicht - wer würde es wagen das
anzudeuten - an ihren Eifer die Andersartigen zu unterdrücken.

Ich sagte, dass Don Vázquez Montalbán mit uns im Licht und im Schatten
stand. Das letzte Mal schrieb er uns während der Kontroverse, die
ausgelöst wurde als wir dem politischen und kulturellen Kampf des
baskischen Volkes unsere ausdrückliche Unterstützung zusagten. Sagte ich
"Kontroverse"? Nun, eigentlich war es eine Lynchkampagne der Medien, aber
daran sind wir gewöhnt.

Ander als jene, die die Gelegenheit ergriffen, sich von unserer allseits
unbequemen Gesellschaft zu distanzieren, und uns (ungerechterweise, wie
umgehend bewiesen wurde) von der "unbefleckten" Kanzel der Medien aus zu
beschuldigen, Unterstützer des ETA Terrorismus zu sein, schickte uns Don
Vázquez Montalbán einen privaten Brief.

Darin (ich denke, ich kann das jetzt enthüllen), warnte er uns darüber,
was passieren würde: der Zapatismus würde nicht mit einem gerechten
Anliegen in Verbindung gebracht werden, sondern mit messianischem
Verbrechen. Natürlich glaubte er nicht, dass der Zapatismus der tödlichen
Umarmung des Fundamentalismus verfallen war, dafür kannte er uns zu gut.
Aber er kannte sich sehr gut mit der Vorgehensweise der Massenmedien aus,
und daher rügte er uns. Er erhielt seine Antwort sehr schnell, und ich bin
fast sicher, dass sie ihn zufrieden stellte. Und deshalb schickte er uns
eins seiner letzten Bücher, mit einer Widmung, die nur lautete "ich bin
hier, mit euch". Und seine Sympathie für Euzkal Herria bestätigend,
unterstützte er gemeinsam mit anderen Persönlichkeiten der Europäischen
Kultur unsere unglückliche Initiative "Eine Chance für das Wort".

Aber um auf unser Treffen zurückzukommen, ich erinnere mich, uns ein wenig
über Antonio Machado unterhalten zu haben. Beide bewunderten wir "Juan de
Mairena", seine Fragen, seine Zweifel. Während der Unterhaltung (er nahm
an, es sei ein Interview, aber es war eine Unterhaltung), einigten wir
uns, dass die besten politischen Analysen oftmals in der Weltliteratur zu
finden sind. Und ohne es ausdrücklich auszusprechen, schlossen wir daraus,
dass die Welt viel besser dran wäre, wenn professionelle Politiker mehr
über Literatur als über das Vermarkten wüssten, und wenn sie mehr
Gedichtsbände und Novellen lesen würden, und weniger Statistiken und
Presseberichte.

Das einmal gesagt, gestatten Sie mir abzuschweifen.

Der Raum, in dem die Macht residiert ist fest verschlossen.
Demokratie, so erzählen sie uns, bedeutet, dass wir, die davon ausgesperrt
sind und die Mehrheit entscheiden können, wer den Raum betritt und wer ihn
wieder verlässt. Aber sie vergessen zu erklären, dass wir nur unter denen
wenigen wählen können, die uns die noch Wenigere vorsetzen.

Und da ist mehr. Wir, die Mehrheit und die ausgesperrten, wir, die die
Folgen der Entscheidungen erleiden, die in diesem Raum getroffen werden,
verstehen nichts davon. Politik, so sagen sie uns dauernd, ist eine Sache
für Spezialisten, die nur Spezialisten verstehen.

Und so stellen wir fest, dass Kriege auftauchen, eingepackt im Zellophan
der unhaltbaren Argumente, wirtschaftliche Programme, die nichts weiter
sind als "sanfte Kriege", kulturelle Verbrechen, verübt im Namen der
Modernisierung, die Vernichtung unterschiedlicher Identitäten durch die
einfache Beseitigung derer, die sie tragen. Kurzum, die mörderische
Launenhaftigkeit der Gewalt, aber gekleidet in "Staatsräson", in
"wirtschaftliche Beweggründe", in "göttliche Beweggründe", in "neoliberale
Beweggründe".

Irgendwo in Machados Buch reflektieren Mairena und seine Studenten über
das Theater, wie Szenen in einem Raum ohne eine vierte Wand stattfinden,
und wie es die Abwesenheit dieser Wand ist, die es uns gestattet zu
wissen, was dort drin passiert. Auf die gleiche Weise "sprechen"
Schauspieler ihre Gedanken laut aus, und so erfahren wir, was in einem
Charakter vorgeht.

Jene, die ihre Arbeit durch die Ausübung von Verstand und Kunst verrichten
(wie jene, die jetzt in Guadalajara versammelt sind) können dazu beitragen
diese vierte Wand zum Raum der Macht einzuschlagen, und die dort
residierende Charaktere zum "Sprechen" zu bringen.

Sie würden nicht nur damit helfen, das Mythos von der "spezialisierten
Politik" niederzureißen und das übernatürliche Halo der Macht zu
entfernen, sie würden auch dazu beitragen eine neue Welt zu erschaffen,
eine, in die alle Welten passen.

Demokratie würde so aus dem Gefängnis der Werbespots befreien, Frivolität
würde nicht länger das Regierungsprogramm beherrschen, und Dummheit wäre
nicht länger die Fahne, die neoliberale Anführer stolz schwenken.

Es wäre wunderbar, wenn jene, die an der Macht sind gezwungen wären
mindestens sieben Bücher zu leben: ein Gedichtsband, eine Sammlung
Kurzgeschichten, eine Novelle, ein Theaterstück, eine Essaysammlung, eins
über Philosophie. Und ein Grammatikbuch.

Ich weiß, das mag sich alles subversiv anhören, utopisch oder beides, also
achten Sie nicht allzu sehr darauf. In Wahrheit erwähne ich das alles
nur, weil das einzige das die Arbeit von Don Vázquez Montalbán definieren
kann, der Knüppel ist, mit dem er Wände einschlug, und das geschickte
Bauchreden, mit dem er die Mächtigen und die Intellektuellen, die ihnen
dienen, zum Sprechen brachte.

Ich glaube, dass Don Vázquez Montalbán tiefen Respekt vor dem Leser hatte.
Ich glaube er fragte sich selbst was er schreiben sollte, weshalb und
wogegen, und diese Fragen reichte er an den Leser weiter: was Lesen,
weshalb und wogegen. Und ich glaube, dass er als Schriftsteller diese
Antworten seinen Lesern nicht vorwegnahm. Im Gegensatz zum Titel eins
seiner Bücher, schrieb er keine Pamphlete. Ganz im Gegenteil, verwandelte
er seine Worte in ein Fenster, und in seinen Schriften nahm er große Mühen
auf sich, um es rein und durchsichtig zu halten.

Mit Ausnahme der Neoliberalen, erwecken Worte gewöhnlich den Respekt
derer, die sich mit ihnen auseinandersetzen, das heißt, jene, die sie
sprechen und schreiben, und jene, die sie lesen und hören.

Wenn mich jemand nach einem Beispiel fragen würde, das den Widerstand der
Menschheit gegen den neoliberalen Krieg zusammenfassen könnte, würde ich
sagen, Worte.

Und ich würde hinzufügen, dass einer ihrer hartnäckigsten, glücklichsten
Schützengräben Bücher sind.

Auch wenn dies natürlich ein sehr andersartiger Schützengraben ist, weil
er einer Brücke erstaunlich ähnelt.

Denn jene, die Bücher schreiben, und jene, die sie lesen, tun nichts
anderes als eine Brücke zu überschreiten.

Und das Überschreiten von Brücken, wie es in jedem anständigen Handbuch
für Anthropologie steht, ist eins der Kennzeichen des Menschlichen Wesens.

Ich verabschiede mich jetzt, aber möchte das nicht tun ohne zuerst zu
erklären, dass wenn mich jemand nach einer Definition für Don Manuel
Vázquez Montalbán fragte, ich sagen würde dass er, ja, immer eine Brücke
war und es geblieben ist.


Vale. Salud und möge das Leben eines Tages ohne Wände stattfinden.


Aus den Bergen des mexikanischen Südostens.

Subcomandante Insurgente Marcos.

Mexiko, November 2004.

P.S. - Ich schlug Don Manuel Vázquez Montalbán in einem Brief vor, einen
Detektivroman "a la limón" zu schreiben, der teilweise in den
Bergen des mexikanischen Südostens, und teilweise in den katalanischen
Ramblas stattfinden sollte. Er nahm an, obwohl er, wie er einmal gestand,
nicht die leiseste Ahnung hatte, wie das zu bewerkstelligen wäre. Das
hatte ich auch nicht, aber er wusste das nicht. Das Intergalaktische
Zapatistische Fernsehsystem, "das einzige Fernsehen, das gelesen wird,"
wird in Kürze das erste Kapitel einer Detektivserie ausstrahlen, die, wie
alles Zapatistische, eine ungewisse Zukunft hat. Es ist eine kleine
Ehrerbietung, die wir für ihn in den letzten Monaten vorbereitet haben. Es
wird sicher sehr klein bleiben, und die literarische Qualität wird seinen
großartigen Produktionen nicht einmal nahe kommen, aber es ist unsere Art
jenen, die ihn im Leben begleitet haben zu zeigen, dass wir wenn wir eins
seiner vielen Bücher aufschlagen, es nicht nur lesen, sondern auf unsere
Weise zu ihm hinüberreichen, ihn umarmen.

Cc: Manuel Vázquez Montalbán, wo er auch immer sein mag.

* * *
(übs. von Dana)
_______________________________________________
Chiapas98 Mailingliste
JPBerlin - Mailbox und Politischer Provider
Chiapas98@listi.jpberlin.de
http://listi.jpberlin.de/mailman/listinfo/chiapas98