Bei unrast:

Verfassungsschutzbericht

»Geronimo« in Essen

Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen über das Jahr 1997, S. 169/70

3.2.2. Autonome
Die sich im Bereich des Linksextremismus als Autonome bezeichnenden Gruppen stellen keine homogene Szene dar. Sie verfügen über keine gefestigte Ideologie, sondern > mischen« sich überall dort in Konflikte ein, wo es ihren Bedürfnissen und Grundüberzeugungen entspricht (Anti?AKW, Anti?Nato, Häuserkampf, Antifaschismus. Die ehemals bestehende kollektive Identität der Autonomen ist heute kaum noch erkennbar. So scheinen in vielen Fällen nur noch voneinander isolierte klandestine Kleingruppen in einer diffusen Szene zu bestehen, die Einzelaktionen durchführen.
Wie zwei ehemalige Angehörige der autonomen Bewegung in einem im Jahre 1997 erschienenen Buch zum Thema »Die Autonomen« resümieren, sei »Heute ... eine Krise der autonomen Bewegung zu konstatieren.« Die Autonomen um die 30Jahre und älter würden sich absetzen und der Kontakt zu jüngeren abreißen. Als neue Anknüpfungspunkte für autonome Praxis würden, auch gegenüber Jugendlichen, der Kampf um die eigene sozio-ökonomische Basis in Szene?Stadtteilen, die Arbeit mit Migranten und ein neuer militanter Antifaschismus verstanden.

»Geronimo« in Essen
Am 10. November 1997 fand im Kommunikationszentrum »Zeche Carl« in Essen eine Veranstaltung zum Thema »Glut und Asche ?Was bleibt nach dem Ende der Autonomen Bewegung« statt. Vor etwa 50 Teilnehmern referierte »Geronimo« (Pseudonym), ein aus Berlin stammender autonomer Szeneangehöriger, der sich in drei Büchern mit der autonomen Bewegung auseinandergesetzt hat. Der autonomen Bewegung reiche nicht der moralische Impetus gegen Rassismus, Sexismus und Faschismus; es fehle die gesellschaftliche, politische Zielsetzung, ohne die die autonome Bewegung verkümmere. Hafenstraße, Häuserkämpfe, RAF und Anti?AKW-Bewegung seien in den achtziger Jahren Ausdruck einer lebendigen autonomen Bewegung gewesen. Vieles davon würde nicht mehr existieren.