Bei unrast:
terzRezension
Die Pariser Kommune
Am 18. März 1871 verhinderten die Pariser ArbeiterInnen unter der Losung "Es lebe die Republik", dass die Kanonen aus der Hauptstadt abgezogen wurden. Dies war der Beginn für die 72 revolutionären Tage der Pariser Kommune, die am 28. März ausgerufen wurde. Die revolutionären Umwälzungen in Paris während der aufkommenden Industrialisierung beschäftigte die revolutionären Köpfe der Zeit wie Marx, Bakunin und viele andere. Der russische Sozialrevolutionär P.L. Lawrow war selbst an den Geschehnissen beteiligt und veröffentlichte acht Jahre später das vorliegende Buch. Weltweit war die Pariser Kommune für das Proletariat, das sich in unterschiedlichen Facetten zerstritten hatte, das Synonym für die Einigung der ArbeiterInnen, das einen tieferen Eindruck als die französische Revolution hatte. Davon ist leider nicht mehr viel geblieben außer einer blassen Erinnerung. Nur wenige aktuelle Werke beschäftigen sich mit dem damaligen Geschehen. So ist die Neuauflage dieses 125-jährigen Werkes schon außergewöhnlich zu nennen. Wer nun ein Propagandawerk mit einer schwerfälligen, altertümlichen Sprache befürchtet, wird sich positiv wundern. Das Buch lässt sich flüssig lesen und ist leicht verständlich. Es hat hier und da einige Längen, bspw. in der etwas langatmigen Schilderung der Vorbedingungen der Kommune, die aber einen tiefen Einblick in die Diskussionen der damaligen Zeit liefern. Die Zeit der Kommune wird relativ kurz geschildert, um später in den Auswirkungen und Lehren detaillierter einige Aspekte zu beleuchten. Lawrow schreibt zwar immer wieder von den kämpfenden KommunardInnen, doch beschränkt er sich meist auf Pamphlete und Aussagen führender Köpfe dieser Zeit, was etwas schade ist. Er untersucht die einzelnen Schritte der Kommune und unterwirft sie einer solidarischen Kritik. Schließlich hatte er dieses Büchlein auch geschrieben, damit den nächsten Versuchen nicht die gleichen Fehler unterlaufen. Als große Fehler beschreibt er ausführlich die Unentschlossenheit der Kommune, in Fragen der Unantastbarkeit des Privateigentums und Umformung der Armee in eine schlagkräftige Nationalgarde, sowie die fatale Missachtung der Ausweitung der Kommune in ganz Frankreich und in andere Länder Europas. Letztendlich war dadurch die Niederlage unausweichlich. Die genaue Zahl der Hingemetzelten wurde nie ermittelt. Sie geht in die Zehntausende, dazu kommen Tausende, die in Kerkern dahinvegetieren mussten oder in die Kolonien verschickt wurden. Dennoch sind die 72 Tage der Pariser Kommune ein einschneidendes Erlebnis in der Geschichte gewesen, die man nicht vergessen sollte. Deshalb ist dieses kleine Buch ein wichtiges Zeugnis und sollte die Ausgabe wert sein. MEIKEL F Pjotr L. Lawrow: Die Pariser Kommune Geschehnisse - Einfluß - Lehren Unrast Verlag, 226 S. für 14 Euro www.terz.org - 27.1.2004 http://www.terz.org/texte/texte_02_04/book.htm |